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Deutscher Gewerkschaftsbund (Hg.): Die Handschrift des Künstlers

Dies ist ein second-hand Artikel

  Deutscher Gewerkschaftsbund (Hg.): Die Handschrift des Künstlers. 13. Ruhrfestspiele Recklinghausen 1959
  Preis: 9,95 €

Gebraucht, Guter Zustand,
Paperback, ohne Seitenangabe
W. Bitter Verlag, 1959
ISBN: o.A.
Lieferbarkeit: vergriffen

Land: Deutschland; Epoche: Nachkriegszeit
Lieferzeit: 3-5 Tage

Sokrates-Verkaufsrang: 5162

Auszug aus dem Vorwort:
Diese Ausstellung „Die Handschrift des Künstlers" will verdeutlichen. Sie will auch deuten, aber sie will — das sei vorausgeschickt - keineswegs werten. Denn die Tatsache der künstlerischen Handschrift liegt „jenseits von Gut und Böse". Ihr Problem stellt sich auf dem Gebiet des künstlerischen Verständnisses, des unmittelbaren Erlebnisses - aber nicht auf dem der Wertung.
Das Thema, dem die Kunsthalle in Recklinghausen ihre diesjährige Ausstellung im Rahmen der Ruhrfestspiele widmet, berührt vielmehr das Problem der menschlichen Haltung im Hinblick auf allgemeine Werte der Umwelt, als daß es die Skala künstlerischer Werte und Bewertungen in Frage stellte.
Es handelt sich um ein allgemeines Problem menschlicher Gesinnung; als deren Zeichen, als deren Ausdrucksform wird die künstlerische Handschrift hier zur Schau gestellt und an einer Reihe von Meisterwerken der Malerei, der Bildhauerei und der grafischen Künste exemplifiziert.
Gesinnung - will sagen, eine besondere Gestimmtheit ist da Voraussetzung. Sie ist nicht zu allen Zeiten und nicht in allen Ländern der Erde zu finden, hat aber gerade in unserer Zeit und im heutigen Europa wiederum Aktualität erlangt; eine Gesinnung nämlich, die zuvörderst ein — wenn auch labiles — Gleichgewicht zwischen der objektiven Wahrheit und dem subjektiven Erlebnis herzustellen versucht.
Denn gerade das sind ja die beiden Pole, zwischen welchen die Spannung der künstlerischen Handschrift ihr Zauberwerk aufführt: Leserlichkeit einerseits (als Pol objektiver Gültigkeit), persönlicher Ausdruck andererseits (als Gegenpol höchst subjektiven Charakters). In der jeweiligen Vibration vollzieht sich der Austrag.
So wäre denn an der künstlerischen Handschrift, ihrer Geschichte und ihrer Wandlung, das Verhältnis des einzelnen zur Gemeinschaft - divinatorisch - abzulesen. Allerdings läßt sich das ganze Problem nicht allein von diesem Aspekt her fassen.
Zu viele andere Tatsachen haben den Gang der künstlerischen Entwicklung mitbestimmt, als daß man zu einer so eindeutigen, einseitigen Sicht gelangen könnte. Oft sind diese Tatsachen schlechthin materieller Art.
Manche Materialien, manche Techniken verschließen sich der Handschrift. Das Fresko — zum Beispiel — mit seinem übermenschlichen Maßstab läßt die Dimension der Hand nicht gelten. Holzschnitt und Kupferstich beengen, durch die spezifische Mühsal ihrer Herstellung, die freie Beweglichkeit der Schrift. Kräfte und Strömungen, die zur Handschrift neigen, wählen daher - wenn auch nicht immer - lieber eine andere Technik.
Aber auch andere Tabus, geistiger Art, sind zu erwähnen, die einer Entwicklung künstlerischer Handschrift je nachdem im Wege stehen. Ich denke da besonders an die genau vorgeschriebene Formenwelt der frühen, religiösen Bildnerei, deren großartige, überpersönliche Wucht und Strenge gerade hier in Recklinghausen - im Ikonenmuseum - ein so außerordentliches Monument gefunden hat.
Erst wo die vorgeschriebene Form sich lockert, setzt künstlerische Handschrift ein - und zwar da, wo das Individuum sich mit dem Glaubensinhalt der Gemeinschaft auseinandersetzen kann. Auseinandersetzen aber bedeutet Abstand nehmen, sich distanzieren. In diesem Sinne ist die Handschrift denkbarer Gegensatz zu Unterschrift und Überschrift. Denn sie enthält eine reservatio mentalis, sie wandelt den gemeinschaftlichen Inhalt ab — und zwar vom persönlichen Erlebnis aus.
Den Charakter der Handschrift des Künstlers deutlich auszugrenzen, mag noch auf andere Spielarten von Schrift hier hingewiesen sein: Neben der Typografie — der streng objektiven Form des Schriftsatzes — gehört dazu vor allem die Kalligraphie, die Schönschrift. Ihre Zielsetzung ist fest umrissen: sie will eine Fläche, ein Blatt, einen Bildgrund von gegebenen Maßen füllen - mit einem gleichsam gegebenen Text. Der Grad vorgegebener Objektivität schließt dabei die persönliche Ausdrucksform von vornherein aus.
Im Bereich der künstlerischen Entwicklung sind somit Kalligraphie und Handschrift Gegensätze - ebenso wie die heute oftmals beschworene „ecriture automatique" als Gegensatz zu bezeichnen ist.
Beide (Kalligraphie und Ecriture automatique) stellen sich außerhalb der polaren Spannung zwischen Leserlichkeit und persönlichem Ausdruck, welche gerade das Wesen bestimmt: die Handschrift des Künstlers ist „in" der Spannung, ein dialektisches Phänomen. Kalligraphie aber und Automatismus bleiben außerhalb. [...]

Zustandsbeschreibung:
OBr., Einband leicht berieben, Seiten l. gebräunt, ansonsten gute Erhaltung.

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